Studie zum Stroke Manager an der Neurologischen Klinik Bad Neustadt startet

Bad Neustadt a.d. Saale,

Welche Hilfestellungen und Informationen benötigen Patienten und deren Angehörige nach einem Schlaganfall? Welche Unterstützung ist notwendig, damit Therapiemaßnahmen in Anspruch genommen werden können? Und wie kann der Alltag so organisiert werden, dass Betroffene mit den Auswirkungen des Schlaganfalls maximal selbstbestimmt leben können? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine Studie zum so genannten Stroke Manager Konzept, die im März an der Neurologischen Klinik Bad Neustadt startet. Sie ist Teil des überregionalen Forschungsprojekts INSPIRE, das zum Ziel hat, die Voraussetzungen für eine intensivierte Zusammenarbeit aller an der Schlaganfallversorgung Beteiligten aus Klinik, Rehabilitation, Pflege und dem niedergelassenen Bereich mit Hilfe von IT-Unterstützung zu schaffen und so für Schlaganfallpatienten eine integrierte, lückenlose Behandlungskette zu entwickeln.

Versorgungslücke schließen
Nach einem Schlaganfall sehen sich Betroffene und deren Angehörige häufig komplexen Herausforderungen gegenüber: Gesundheitliche Auswirkungen müssen bewältigt und gleichzeitig der Alltag neu organisiert werden. „Hinzu kommt die Problematik, dass im Anschluss an den stationären Aufenthalt das Angebot an Gesundheitsdienstleistungen grobmaschiger wird und die Patienten selbst diese Dienstleistungen tendenziell weniger konsequent in Anspruch nehmen“, erklärt Prof. Dr. Bernd Griewing, Ärztlicher Direktor an der Neurologischen Klinik. „Diese Versorgungslücke zu schließen, ist das Ziel des Stroke Manager Konzepts. Mit seiner Hilfe sollen Schlaganfallpatienten und ihre Angehörigen auf die Entlassung aus der Klinik vorbereitet und während der ersten zwölf Monate im Alltag unterstützt werden.“ Bis zum Projektende 2013 wird anhand von 50 Patientengeschichten untersucht, wie ein solches Konzept ideal angelegt werden kann.

Seit Juli vergangenen Jahres hat ein Projektteam unter Leitung von Prof. Dr. Bernd Griewing die Studie an der Neurologischen Klinik intensiv vorbereitet. Zum Team gehören der Leitende Oberarzt und Leiter der Stroke Unit, Dr. Volker Ziegler, Projektleiter Dominik Cavael, Stroke Managerin Linda Bieberich und Roland Görlitz (FZI Karlsruhe). Die Stroke Managerin begleitet im Rahmen der Studie 50 Patienten während des ersten Jahres nach ihrem Schlaganfall. Die Auswirkungen dieser Betreuung werden wissenschaftlich untersucht und ausgewertet.

Kontakte und Hilfestellung
In einem ersten Gespräch wird zunächst geklärt, welche praktische Hilfestellung konkret benötigt wird. Das Spektrum reicht von der organisatorischen Unterstützung bei ambulanten Therapiemaßnahmen über die Beschaffung von Heil- und Hilfsmitteln bis hin zur Vermittlung von Adressen und Ansprechpartnern für Selbsthilfegruppen, Fahrdienste und Kinderbetreuung. Die Stroke Managerin stellt direkte Kontakte her und vermittelt die nötigen Anlaufstellen – „die richtigen Informationen zur richtigen Zeit“, wie Projektleiter Dominik Cavael erläutert.

Darüber hinaus erhält jeder Patient ausführliche schriftliche Informationen, unter anderem über den Schlaganfall, bestehende Risikofaktoren, therapeutische und pflegerische Angebote sowie Hilfestellungen bei der Gestaltung des privaten und beruflichen Umfelds. Die Informationen werden sowohl in Papierform als auch digital über einen so genannten Tablet-PC zur Verfügung gestellt. Im Rahmen der Studie wird untersucht, welche Form von den Patienten bevorzugt genutzt wird.

Teil des Konzepts ist auch ein häufig gewünschter, einmaliger Hausbesuch, bei dem sich die Stroke Managerin ein Bild von der häuslichen Situation machen kann, um ihre Hilfestellung individuell anzupassen. Nach den ersten drei Monaten intensiver und aktiver Betreuung können sich die Patienten und ihre Angehörigen neun Monate lang immer dann an die Stroke Managerin wenden, wenn sich noch Unterstützungsbedarf ergibt. Für die Koordination der individuellen Betreuung steht der Stroke Managerin ein für diesen Zweck neu entwickeltes EDV-Programm zur Verfügung.

Wissenschaftliche Auswertung
Das Ergebnis des Konzepts wird wissenschaftlich ausgewertet. Dafür finden nach den ersten drei Monaten sowie nach Abschluss des Serviceangebots Befragungen der Patienten statt, in denen unter anderem die Entwicklung des gesundheitlichen Zustands und des Koordinierungsbedarfs sowie Aspekte der Lebensqualität evaluiert werden.

„Ziel der Studie ist es zu zeigen, inwieweit das Engagement eines Stroke Managers einerseits den Wissensstand der Patienten über den richtigen Umgang mit ihrer Erkrankung und damit verbunden ihre Lebensqualität steigern und andererseits die Informationsqualität der Therapeuten, niedergelassenen Partner und Pflegedienste verbessern kann“, so Prof. Griewing. „Außerdem erhoffen wir uns von dem Konzept einen wirkungsvollen Ansatz dafür, die Patienten bei einer konsequenten Verfolgung ihrer Therapie und Sekundärprävention zu unterstützen und so das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu reduzieren.“

INSPIRE
Der Stroke Manager ist Bestandteil des Forschungsprojekts INSPIRE, mit dem die Versorgungskette von Schlaganfallpatienten unter Einbindung aller Beteiligten optimiert werden soll. INSPIRE ist die handliche Abkürzung für den eigentlichen Projekttitel „Improving Service Productivity in Healthcare“ – die Qualität und Produktivität von Gesundheitsdienstleistungen IT-gestützt steigern und gestalten. Zu den Projektpartnern gehören neben der Neurologischen Klinik Bad Neustadt das FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie der Bezirksverband Unterfranken des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Das Projekt ist vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

 

Teil des Konzepts ist auch ein häufig gewünschter, einmaliger Hausbesuch, bei dem sich die Stroke Managerin ein Bild von der häuslichen Situation machen kann, um ihre Hilfestellung individuell anzupassen. Nach den ersten drei Monaten intensiver und aktiver Betreuung können sich die Patienten und ihre Angehörigen neun Monate lang immer dann an die Stroke Managerin wenden, wenn sich noch Unterstützungsbedarf ergibt. Für die Koordination der individuellen Betreuung steht der Stroke Managerin ein für diesen Zweck neu entwickeltes EDV-Programm zur Verfügung.

 

Das Projektteam Stroke Manager (v.l.n.r.): Roland Görlitz (FZI Karlsruhe), Dominik Cavael (Projektleiter), Linda Bieberich (Stroke Managerin), Dr. Volker Ziegler (Leitender Oberarzt und Leiter der Stroke Unit), Prof. Dr. Bernd Griewing (Ärztlicher Direktor Neurologische Klinik Bad Neustadt).